Paul Speciale, CMO, Scality
Über Jahre hinweg folgten Backup-Strategien in Unternehmen einem etablierten Prinzip: möglichst umfassende Datenbestände zu sichern, diese langfristig vorzuhalten, Backups gegen nachträgliche Manipulation zu schützen und zugleich sicherzustellen, dass die Sicherungskopien auch im Falle eines Cyberangriffs verfügbar und intakt bleiben.
All das bleibt unverzichtbar. Doch wenn ein Unternehmen sein Backup im Ernstfall tatsächlich benötigt, verändert sich die Perspektive. Entscheidend ist dann nicht mehr allein, ob Daten gesichert wurden, sondern wie schnell sie sich wiederherstellen lassen (und vor allem, ob ihnen nach einem Cyberangriff noch uneingeschränkt vertraut werden kann).
Denn Geschwindigkeit allein ist kein verlässlicher Maßstab, wenn das Backup selbst kompromittiert wurde. Haben Ransomware, Malware oder Datenkorruption die Recovery-Kopie beschädigt, führt eine schnelle Wiederherstellung lediglich dazu, dass kompromittierte Daten umso schneller wieder in die Produktion gelangen. Unveränderbarkeit und eine cyber-resiliente Backup-Infrastruktur sind daher ebenso entscheidend wie die Restore-Performance. Beides muss zusammen gedacht werden: eine schnelle Wiederherstellung ist nur dann wertvoll, wenn die wiederhergestellten Daten auch vertrauenswürdig sind.
Im Ernstfall schnell genug?
Ein Backup kann technisch erfolgreich wiederhergestellt sein und dennoch zu spät kommen. Denn wenn Produktionssysteme stillstehen, Mitarbeiter nicht arbeiten können und Kunden keinen Zugriff auf wichtige Services haben, zählt nicht nur, ob eine Wiederherstellung gelingt, sondern vor allem, in welchem Zeitrahmen.
Bei einem Ransomware-Angriff wird Restore-Performance damit zum entscheidenden Faktor für die operative Resilienz. Denn sie bestimmt maßgeblich, wie schnell ein Unternehmen den Geschäftsbetrieb tatsächlich wieder aufnehmen und die Folgen des Angriffs begrenzen kann.
Damit gehören sowohl die Geschwindigkeit der Wiederherstellung als auch die Verfügbarkeit einer vertrauenswürdigen Kopie zu den entscheidenden (und dennoch häufig unterschätzten) Faktoren für die Cyber-Resilienz.
Ein RTO muss erfüllbar sein
Ein RTO ist ein Versprechen. Der Restore muss es einlösen. Die meisten Unternehmen definieren Recovery Time Objectives (RTOs), die festlegen, innerhalb welcher Zeit kritische Systeme nach einem Ausfall oder einer Störung wieder verfügbar sein müssen. Doch zwischen dem RTO auf dem Papier und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Infrastruktur im Ernstfall liegt nicht selten eine erhebliche Lücke.
Mit wachsendem Datenvolumen verschärft sich diese Herausforderung noch. Die Wiederherstellung einer einzelnen Anwendung oder eines überschaubaren Datensatzes lässt sich kaum mit der Recovery von Hunderten Terabytes oder mehreren Petabytes nach einem großflächigen Ransomware-Angriff vergleichen. Dann reicht es nicht mehr zu fragen: „Wie schnell ist mein Storage?“ Die entscheidende, komplexere Frage lautet vielmehr: „Wie viele Daten kann meine Infrastruktur im Ernstfall tatsächlich gleichzeitig wiederherstellen?“
Durchsatz statt Einzeltempo
Denn bei der Restore-Performance zählt nicht allein, wie schnell einzelne Speichermedien arbeiten. Entscheidend ist bei einer groß angelegten Recovery vielmehr, welchen Gesamtdurchsatz die Storage-Architektur erreicht und wie viele Datenströme sie parallel verarbeiten kann.
Selbst die schnellsten Speichermedien können zum Flaschenhals werden, wenn Umfang und Parallelität der Recovery-Workloads wachsen. Erst eine Architektur, die über mehrere Nodes und Verbindungen hinweg skalierbar ist, kann den Durchsatz mit steigender Kapazität entsprechend erhöhen. Für IT-Verantwortliche bedeutet das: Restore-Durchsatz ist keine nachgelagerte technische Größe, sondern muss denselben Stellenwert haben wie Kapazität, Haltbarkeit sowie Backup-Geschwindigkeit.
Vom Backup zur Recovery
Lange Zeit war die Frage entscheidend, wie schnell sich große Datenmengen sichern lassen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Entsprechend standen kurze Backup-Fenster und eine hohe Ingest-Performance ganz oben auf der Prioritätenliste. Moderne Infrastrukturen haben diesen Engpass zunehmend beseitigt. Doch während das Sichern von Daten immer schneller wird, hat sich die Risikolage grundlegend verändert.
Wenn Ransomware Produktionssysteme verschlüsselt oder lahmlegt, spielt es für die Unternehmensführung keine Rolle, wie schnell das Backup in der vergangenen Nacht abgeschlossen wurde. Im Mittelpunkt steht dann nur noch eine Frage: Wann läuft das Geschäft wieder?
Damit wird Recovery-Performance zu einer Business-Kennzahl. Denn je länger die Wiederherstellung großer Datenmengen dauert, desto länger bleiben kritische Anwendungen außer Betrieb, mit entsprechend weitreichenden betrieblichen sowie finanziellen Folgen. Recovery-Zeit ist damit nicht nur eine technische Frage, sondern eine Frage der Geschäftskontinuität.
Recovery sollte realistisch testbar sein
Diese Tatsache sollte auch die Anforderungen an Disaster-Recovery-Tests verändern. Ein Test ist nicht schon dann erfolgreich, wenn sich Daten grundsätzlich wiederherstellen lassen. Entscheidend ist, ob sich realistische Datenmengen innerhalb des Zeitfensters wiederherstellen lassen, das ein Unternehmen im Ernstfall tatsächlich benötigt.
Eine Recovery im großen Maßstab stellt die gesamte Infrastrukturarchitektur auf die Probe. Trotzdem hält sich die Vorstellung, dass schnellerer Speicher automatisch schnellere Wiederherstellungen ermöglicht. Die Performance der Speichermedien ist wichtig, entscheidend bleibt jedoch, wie die gesamte Architektur damit umgeht.
Im Enterprise-Maßstab ist vor allem die Fähigkeit zur Parallelisierung entscheidend. Eine groß angelegte Recovery kann Tausende gleichzeitiger Requests erzeugen, während die Backup-Software Daten aus zahlreichen Systemen abruft. Die Speicherinfrastruktur muss diesen parallelen Datenstrom verarbeiten können, ohne dass Controller, Netzwerk oder die Architektur selbst zum Flaschenhals werden.
Skalieren statt ausbremsen
Hier zeigen Scale-out-Architekturen ihre Stärke: Mit der Umgebung können sowohl Kapazität als auch Durchsatz wachsen. Zusätzliche Ressourcen erhöhen den verfügbaren Gesamtdurchsatz, anstatt immer größere Recovery-Workloads auf einem fest dimensionierten System abarbeiten zu müssen. Damit rückt bei der Bewertung einer Backup-Infrastruktur eine entscheidende Frage in den Mittelpunkt: skaliert der Restore-Durchsatz mit der Umgebung, oder wird die Recovery mit wachsendem Datenvolumen zum Engpass?
Unternehmen sollten deshalb genau in dem Maßstab testen, in dem sie ihre Daten im Ernstfall tatsächlich wiederherstellen müssen (und nicht nur in einem Maßstab, der vorrangig attraktive Benchmark-Werte liefert).
Geschwindigkeit braucht Vertrauen
Doch selbst der schnellste Restore ist wertlos, wenn niemand den wiederhergestellten Daten vertrauen kann. Das ist die andere Hälfte der Gleichung und der Grund, warum Unveränderbarkeit, Isolation und Zero-Trust-Sicherheitsmechanismen zu festen Bestandteilen moderner Backup-Strategien geworden sind. Ransomware-Gruppen nehmen Backup-Umgebungen zunehmend gezielt ins Visier. Denn wer den Recovery-Pfad zerstört oder manipuliert, erhöht den Druck auf das betroffene Unternehmen erheblich. Eine moderne Recovery-Infrastruktur muss deshalb zwei Aufgaben gleichermaßen erfüllen:
Erstens muss sie eine vertrauenswürdige Kopie der Unternehmensdaten schützen, die Angreifer nicht ohne Weiteres verändern, verschlüsseln oder löschen können. Zweitens muss sie die nötige Leistung liefern, um diese Daten innerhalb eines akzeptablen Zeitraums wieder in die Produktion zu bringen. Cyber-Resilienz entsteht erst aus dem Zusammenspiel beider Faktoren: einer geschützten und vertrauenswürdigen Recovery-Kopie sowie der Fähigkeit, sie schnell genug wiederherzustellen.
Ein unveränderbares Backup schützt zwar vor Manipulation, doch wenn seine Wiederherstellung mehrere Tage dauert, kann die Ausfallzeit trotzdem geschäftskritisch werden. Umgekehrt nützt die höchste Restore-Performance wenig, wenn der Schutz vor Manipulation und Datenkorruption nicht ausreicht und Angreifer ausgerechnet die für die Recovery benötigten Daten kompromittieren können. Die bessere Definition von Resilienz lautet deshalb: vertrauenswürdige Daten plus schnelle Wiederherstellbarkeit.
Performance gezielt einsetzen
Es gibt noch einen weiteren Aspekt: Backup-Umgebungen wachsen schnell auf Petabyte-Größen an, und ein erheblicher Teil dieser Daten wird über lange Zeit kaum oder gar nicht genutzt. Die gesamte Infrastruktur mit den schnellsten und teuersten Speichermedien auszustatten, nur um gelegentliche Recovery-Vorgänge zu beschleunigen, wäre wirtschaftlich kaum sinnvoll.
Eine durchdachte Storage-Tiering-Strategie schafft hier einen besseren Ausgleich. Sie ermöglicht es, Speicherressourcen gezielt nach der Rolle sowie dem Zugriffsbedarf einer Datenkopie einzusetzen. Kritische Recovery-Daten können auf hoch performanten Tiers liegen, während weniger häufig benötigte Kopien kosteneffizienter gespeichert werden.
Daten, die im Ernstfall schnell wiederhergestellt werden müssen, rechtfertigen eine entsprechend leistungsfähige Infrastruktur. Für langfristige Retention-Kopien können dagegen Kapazität und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen, ohne dabei die Resilienz zu gefährden.
Es geht also nicht darum, die maximale Performance für jedes einzelne Terabyte bereitzustellen. Entscheidend ist eine Architektur, welche die benötigte Recovery-Performance genau dort liefert, wo sie im Lebenszyklus der Daten zählt. Je größer Backup-Repositories werden, desto wichtiger wird diese Differenzierung, insbesondere beim Wachstum von Hunderten Terabytes auf Dutzende oder sogar Hunderte Petabytes.
Die richtige Kennzahl für das Recovery
Beim Schutz vor Angriffen sind die entscheidenden Fragen längst etabliert: Ist das Backup unveränderbar? Ist es isoliert? Kann ein Administrator es löschen? Gibt es eine saubere Kopie?
Für die Recovery sollte derselbe Maßstab gelten. Denn was nützt die sicherste Backup-Kopie, wenn ihre Wiederherstellung im Ernstfall zu lange dauert? Die entscheidende Kennzahl lautet deshalb: Wie viele Terabytes pro Stunde kann die Infrastruktur tatsächlich wiederherstellen?
Was passiert, wenn Hunderte oder Tausende Restore-Streams gleichzeitig laufen? Wie lange dauert es, die wichtigsten Datenbestände des Unternehmens wiederherzustellen? Lässt sich verifizieren, dass die wiederhergestellten Daten vertrauenswürdig sind, bevor sie zurück in die Produktion gelangen? Ebenso entscheidend ist die Frage, ob diese Annahmen tatsächlich unter realistischen Bedingungen getestet wurden sowie mit realistischen Datenmengen und Workloads.
Die Antworten darauf sollten nicht nur Storage- und Backup-Teams kennen. Auch Security-Verantwortliche, Business-Continuity-Teams und Führungskräfte, die für operative Risiken zuständig sind, müssen wissen, was die Infrastruktur im Ernstfall tatsächlich leisten kann. Denn das Ziel eines Backups war nie, lediglich eine weitere Kopie von Daten zu erzeugen. Sein eigentlicher Zweck ist es, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, wenn die primäre Datenkopie nicht verfügbar ist.
Die eigentliche Messlatte
Im Zeitalter von Ransomware und stetig wachsenden Datenbeständen reicht ein Backup allein nicht mehr aus. Die Kopie muss geschützt und vertrauenswürdig sein, und sie muss sich mit der Geschwindigkeit wiederherstellen lassen, die der Geschäftsbetrieb im Ernstfall erfordert.
Die entscheidende Frage für die Cyber-Resilienz lautet deshalb nicht mehr: Haben wir ein Backup? Sondern: Können wir daraus im Ernstfall schnell und zuverlässig wieder einen funktionierenden Geschäftsbetrieb machen?
Scality adressiert zentrale Herausforderungen moderner Datenspeicherung: Wachstum, Sicherheit, Performance und Kosten. Entwickelt für durchgängige Cyber-Resilienz bietet der S3-Objektspeicher von Scality mit CORE5 einen ganzheitlichen Schutz auf allen Ebenen des Systems, von der API bis zur Architektur. Die patentierte MultiScale Architektur ermöglicht eine nahezu unbegrenzte, unabhängige Skalierung in sämtlichen kritischen Dimensionen, um den dynamischen Anforderungen moderner Workloads gerecht zu werden. Führende Unternehmen weltweit vertrauen auf Scality, um leistungsstarke KI-Initiativen zu beschleunigen, Cloud-Deployments zu optimieren und ihre Daten zuverlässig zu schützen. Als „Leader“ von Gartner ausgezeichnet, steht die Software von Scality für höchste Zuverlässigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Folgen Sie uns auf LinkedIn und erfahren Sie mehr unter www.scality.com sowie in unserem Blog.
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