Mittwoch, Februar 28, 2024
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Das Software-Dilemma: Standardlösungen vs. maßgeschneiderte Entwicklungen

Nils Brettschneider, Geschäftsführer Taktsoft
(Quelle: Taktsoft)

(BTN/Taktsoft)Unternehmen, die heute eine Software für einen bestimmten Use Case suchen, können auf unzählige Möglichkeiten zurückgreifen. Die Fülle an Standard-Software für gängige Unternehmensprozesse ist schier endlos. Ein Beispiel: Tools für Online-Videokonferenzen. Hier können wir uns zwischen Microsoft Teams, Cisco Webex, Zoom, GoToMeeting, Jitsi, Google Meet und fünfzig anderen Software-Helfern entscheiden. Dem Gegenüber stehen die Software-Eigenentwicklungen: Diese Art von Projekten gilt noch immer als häufig komplexer, teurer und technologisch nicht auf Augenhöhe mit den großen Playern. Dennoch gibt es auch hier gute Gründe, eine Eigenentwicklung der Software “von der Stange” vorzuziehen.

Wie komplex sind Eigenentwicklungen wirklich? Was spricht für die Verwendung von Standard-Software? Nils Brettschneider, Gründer und Geschäftsführer von Taktsoft, vergleicht beide Optionen.

Wie alles begann: Software früher und heute

Softwareentwicklungs hat sich im Laufe der Jahre erheblich verändert. Aufgrund der begrenzten Auswahl an Softwarelösungen und der geringen Automatisierung dominierte in den 1990er Jahren also die Selbstbauweise. Über die Zeit hinweg verschoben sich die Grenzen: Ein immer größerer Teil der verwendeten Software wird als Standard beschafft und ein immer kleiner werdender Part selbst programmiert. Heute werden Lösungen zu großen Teilen sogar nur noch “customized”, also im Rahmen ihres Standards angepasst, ohne auch nur einen Schnipsel Code zu verwenden. Dabei gibt es inzwischen immer komplexere Anwendungsfälle: Zum Beispiel müssen neben einer Raumbuchung auch Zahlungsprozesse abgewickelt und dabei der sichere Zugriff auf Kundendaten gewährleistet werden.

Heute besteht für viele Anwendungsfälle eine klare Tendenz hin zu SaaS – Software-as-a-Service. Software wird digital beschafft, im Abomodell bezahlt und vom SaaS-Anbieter aus verwaltet und gewartet. Mit der vermehrten Verfügbarkeit von unterschiedlichen Optionen, insbesondere im Bereich spezialisierter Nischen- oder Branchenlösungen, greifen heutzutage Unternehmen verstärkt auf bereits existierende Softwarelösungen zurück. Eigenentwicklungen entwickeln sich zur Ausnahme. Um eine Entscheidung für das eine oder das andere treffen zu können, lohnt es sich, die Haupt-Unterschiede genauer zu beleuchten.

Standard versus Neu-Entwicklung: Das sind die Unterschiede

Mandantenfähigkeit
Mandantenfähigkeit ist heute ein wichtiges Thema: Viele Unternehmen bedienen mehrere Mandanten, also Kunden, Auftraggeber oder Marken. Dabei ist es oft eine wichtige Voraussetzung, dass jede Instanz dabei eine personalisierte, möglicherweise sogar im Corporate Design gebrandete Umgebung erhält. Ein Beispiel dafür sind Stromanbieter: Diese unterhalten oft mehrere Marken für unterschiedliche Zielgruppen. Softwarelösungen für solche Unternehmen sollen gleich funktionieren, aber unterschiedlich aussehen und die einzelnen Mandanten sollen keinen Einblick in die Daten der Benutzer des jeweils anderen haben. Die Mandantenfähigkeit ist damit also besonders wichtig für Marken oder Subunternehmen, die gemeinsam auf Programme zugreifen. Diese sogenannte “White-Label-Software” ist der Standard bei Software-as-a-Service-Anwendungen und damit eine Stärke solcher Standardsoftware. Mandantenfähige Eigenentwicklungen sind oft mit mehr Aufwand verbunden und weniger üblich.

Integrationsmöglichkeiten und Schnittstellen
Bei der Integration von Systemen kann es schnell zu Herausforderungen kommen, die es zu bewältigen gilt. Fakt ist: Bei der Verwendung von Standardsoftware muss eine Vielzahl an Puzzleteilen zusammengefügt und Schnittstellen gemanagt werden. Nicht alle Prozesse in Software A müssen zwangsläufig in Software B gleich ablaufen. Es kommt zu einem Mehraufwand bei der Anpassung der Schnittstellen beim Anschluss einer neuen Standardlösung an bestehende Systeme. Eigenentwicklungen haben hier den entscheidenden Vorteil, dass Schnittstellen direkt bedacht und sauber umgesetzt werden können.

Vendor Lock-in
Von einem Vendor Lock-in spricht man, wenn die Verwendung einer bestimmten Lösung die Verwendung anderer Lösungen erschwert, weil der Anbieter bestimmte Sperren oder Hürden eingebaut hat. Das erschwert für Nutzende grundsätzlich den Wechsel auf andere Anbieter. Manche Anbietende von Standardlösungen setzen auf diese Strategie, um Kunden langfristig zu binden. Bei Standardlösungen kleinerer Nischenanbieter besteht zusätzlich das Risiko, dass die Lösung plötzlich eingestellt wird, wenn der Anbieter beispielsweise pleite geht. Diese Abhängigkeit entfällt bei Eigenentwicklungen gänzlich. Jedoch geht der Trend vermehrt dazu, dass vor allem unter den verschiedenen, sehr beliebten und verbreiteten Anbietern sehr einfach Schnittstellen hergestellt werden können. Durch die geschickte Kombination verschiedener Standardlösungen, die man mittels einer verbindenden Eigenentwicklung kombiniert und zusammenfügt, lässt sich das Problem abschwächen und die Stärken der verschiedenen Anbieter und Ansätze kombinieren.

Preis & Entwicklungszeit
Ein besonders im Vordergrund stehender Faktor ist der Preis. Eigenentwicklungen sind dabei anfangs deutlich teurer und benötigen erheblich mehr Zeit, bis sie einsatzfähig sind. Standard-Lösungen wirken auf den ersten Blick häufig günstiger, vor allem im Rahmen attraktiver Abomodelle. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen: Welcher ist der gewünschte Funktionsumfang, wie viele Nutzende sollen die Software verwenden und wie lange ist sie im Einsatz? Erst die Kombination dieser Faktoren gibt einen realistischen Überblick über den letztendlichen Preis. Bei entsprechender Ausprägung kann dann auch eine Standardsoftware schnell teuer werden.

Die benötigte Zeit bis zum Einsatzbeginn kann bei Standardsoftware deutlich kürzer sein, jedoch müssen oben genannte Faktoren wie die zusätzliche Entwicklung von Schnittstellen mit berücksichtigt werden. Gestaltet sich das komplexer, kann es auch hier länger dauern.

Standard oder ganz von vorn: So treffen Sie die richtige Entscheidung

Die Entscheidung, ob man auf eine Standardsoftware oder auf eine Eigenentwicklung setzt, ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Ganz allgemein lässt sich sagen: Je größer der Scope des Projektes und je mehr Entscheidungen einbezogen werden müssen, desto individueller werden die Anforderungen an eine Software-Lösung. Ganz am Anfang sollte daher immer die Beratung und die Konzeption der Lösung stehen – ganz gleich, wofür man sich am Ende entscheidet. Denn oft liegt der Teufel in den Details: Auf den ersten Blick passt eine Standardlösung perfekt, auf den zweiten Blick sind es kleine, aber äußerst spezifische Funktionalitäten, auf die innerhalb der Unternehmensprozesse nicht verzichtet werden kann oder soll. Es geht auch andersherum: Die Entscheidung für die Eigenentwicklung ist längst getroffen. Bei genauer und systematischer Betrachtung fällt auf, dass es bereits sehr große Deckungsgleiche mit einer bekannten Standardlösung gibt und nur kleine Anpassungen bereits den gewünschten Use Case abdecken. Beide Fälle sind möglich und gängige Szenarien aus der Praxis. Eine gründliche Analyse der eigenen Prozesse, eine gute Marktkenntnis und eine genaue Auflistung des Bedarfs sind daher das A und O, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Über Taktsoft
Taktsoft entwickelt Software und hilft Unternehmen dabei, ihr Geschäftsmodell digital abzubilden. Im Rahmen einer partnerschaftlichen Entwicklung gemeinsam mit den Kund:innen werden alle Geschäftsprozesse Ende-zu-Ende umgesetzt und als nutzerzentrierte Software-Produkte auf den Markt gebracht.

Über Nils Brettschneider
Nils Brettschneider ist Geschäftsführer von Taktsoft. Nach seinem Volkswirtschaftsstudium und im Laufe seines Studiums der Informatik mit dem Schwerpunkt Softwaretechnik erkannte er die Bedeutung der Verbindung von Wirtschaft und Informatik und spezialisierte sich darauf, maßgeschneiderte Unternehmenssoftware zu entwickeln.


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Finn Jahnke
Finn Jahnke
Finn Jahnke ist seit Ende 2017 als Online-Redakteur bei Business.today Network tätig.
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